Jeden ersten Dienstag im Monat treffen sich im Bethesda-Spital ehemalige Krankenschwestern. Wir waren dabei.

 

Es ist ein langer Tisch im Restaurant des Bethesda Spitals, an den sich ältere Damen setzen, nachdem sie sich überaus herzlich begrüsst haben. Es handelt sich um ehemalige Pflegepersonen – und bis auf den ehemaligen Direktor Alfred Steiner (1980–2004), einen ehemaligen Sicherheitsverantwortlichen sowie einen Mann aus dem Rechnungswesen sind es alles Frauen.

Die Tradition dieses Treffens begann im Jahr 1998. «Der Zusammenhalt ist hervorragend, Schwestern sind wie eine grosse Familie», sagt Frau Seiler stolz und überzeugt. Auffallend ist die fröhliche Art der Schwester-Oberin Vroni Hofer, die ihr klassisches Kleid trägt. «Statistisch leben Ordensfrauen länger, weil sie weniger Sorgen haben. Partnerverlust kennen wir nicht, und es wird für uns gesorgt bis zum Tod». Diese Lebensfreude ist ansteckend und die Runde harmonisch und fröhlich.

Das Bethesda Spital wurde 1939 eröffnet. Im Unterschied zu heute blieben die Patienten früher länger im Spital und waren deutlich weniger anspruchsvoll. Eine Toilette im Zimmer gab es nicht und pro Patientenzimmer waren immer mehrere Patienten untergebracht. Erstaunlich auch die Tatsache, dass der Krankenpflegeberuf dazumal nicht so beliebt war wie heute. Und mehr als nur bemerkenswert damals war, dass der Spitalleiter sämtliche Namen von allen Mitarbeitenden auswendig kannte…

In den Tagen des Junitreffens der ehemaligen Bethesda-Schwestern wurde in der Schweiz der Frauenstreiktag durchgeführt. Alle anwesenden Frauen erwähnten mit unüberhörbarem Stolz, dass sie geschlossen am ersten Frauenstreik vom 14.Juni 1991 mitgemacht hatten. Der damalige Spitalleiter Alfred Steiner hatte es niemandem verboten und die Schwestern waren selber für die Einteilung und Gewährleistung des Spitalbetriebs verantwortlich gewesen. Andere Zeiten!

Der Originalbeitrag erschien in der Quartierzeitung "miiQuartier".

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