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20. Oktober 2026

Jede vierte Frau ab 50 hat Osteoporose – auf diese Warnzeichen sollten Sie achten

Osteoporose ist weit verbreitet. Ab dem Alter von 50 ist jede vierte Frau betroffen. Bei Männern sind es sieben Prozent. Viele Fälle bleiben unerkannt, bis die Knochen brechen. Stephan Gadola, Chefarzt für Rheumatologie am Bethesda Spital in Basel, erklärt, welche Risikofaktoren und Frühwarnzeichen es gibt und wie Sie Ihre Knochen stärken können.

Die stummen Warnzeichen: Wie erkenne ich Osteoporose?

Abnahme der Körpergrösse

«Wenn man innerhalb von drei Jahren mehr als zwei Zentimeteran Grösse verliert oder die Körpergrösse im Vergleich zu früher mehr als vier Zentimeter abgenommen hat, dann wird eine Abklärung auf Osteoporose empfohlen», sagt Stephan Gadola.

Rückenschmerzen
Schmerzen im Rücken, die ohne schwere Belastung plötzlich auftreten und über mehrere Wochen anhalten, können auf eine osteoporotische Wirbelkörperfraktur hinweisen. «Wenn frühere akute Rückenschmerzepisoden berichtet werden, welche über vier bis sechs Wochen andauerten, sollte man hellhörig werden», so Gadola.

Haltungsänderungen
Auch ein zunehmender Rundrücken ist ein Hinweis. «Durch zusammengesackte Wirbelkörper verändern sich Haltung und Körperschwerpunkt – viele Betroffene können sich gar nicht mehr richtig aufrichten», erklärt Gadola.

Brüche bei harmlosen Anlässen
Bricht ein Handgelenk, ein Arm oder eine Rippe bei einem Sturz aus dem Stand, ist das ein Hinweis auf eine Osteoporose und sollte abgeklärt werden. «Ein Oberschenkelhals- oder Armbruch nach einem Sturz auf ebenerdiger Strecke im Wohnzimmer gilt medizinisch nicht als adäquates Trauma», so Gadola. «Ein gesunder Knochen muss das aushalten.»
 

Risikofaktoren

«Es gibt eine Liste von Risikofaktoren», so der Rheumatologe:«Beispiele sind eine frühe Menopause vor 45, Langzeit-Cortison, starker Nikotin- und Alkoholkonsum oder wenn die Eltern eine osteoporotische Fraktur hatten – das treibt das eigene Zehn-Jahres-Frakturrisiko deutlich hoch.»
Anlässlich des Welt-Osteoporose-Tags am 20. Oktober kann man bei der Rheumaliga Schweiz online einen kostenlosen, interaktiven Risikocheck durchführen.
 

Tipps für starke Knochen

Ernährung
Der Körper benötigt täglich 1000 bis 1300 Milligramm Kalzium. Gute Quellen sind Milchprodukte oder kalziumreiches Mineralwasser. «Wer keine Milch verträgt, muss keineswegs auf Kalzium verzichten», sagt Gadola: «Viele Menschen wissen nicht, dass Hartkäse wie Gruyère null Laktose enthält, aber eine hervorragende Kalziumquelle ist. Hahnenwasser ist in der Schweiz zwar praktisch kalziumfrei, doch es gibt kalziumreiche Mineralwasser.» Mit dem Kalziumrechner der Rheumaliga Schweiz können Sie online Ihren Kalziumkonsum einschätzen.

Vitamin D und Sonne
Vitamin D ist nötig, um Kalziumi m Knochen einzubauen. «Im Sommer reichen meist 20 Minuten tägliches Sonnenlicht auf den entblössten Unterarmen aus», sagt Gadola: «In den dunklen Wintermonaten schaffen wir das über die Sonne nicht und können auch nicht genug Fisch essen – deshalb empfehlen wir Erwachsenen in der Schweiz, Vitamin D über den Winter gezielt einzunehmen.»

Bewegung
Gezielte Kraftimpulse und Muskelaufbau schützen das Skelett und beugen Stürzen vor. «Der Knochen passt sich der Belastungan – Raumfahrer im All bauen inder Schwerelosigkeit in kürzester Zeit massiv Knochen ab», erklärt Gadola. «Wir brauchen Kraftimpulse! Es muss kein extremes Hanteltraining sein: Zügiges Spazieren, Wandern, Treppensteigen oder leichtes Laufen setzen genau die richtigen Reize für den Knochenaufbau.»

Hormonersatztherapie
In gewissen Fällen kann eine Hormonersatztherapie präventiv wichtig sein. «Östrogen wirkt knochenaufbauend. Sinkt der Östrogenspiegel in den Wechseljahren, verlieren Frauen schlagartig an Knochensubstanz», erklärt Gadola. «Besonders bei einer frühen Menopause vor 45 Jahren ist es wichtig, das individuelle Risiko frühzeitig abzuklären.»

Vorsorge ab 60
Stephan Gadola empfiehlt Frauen ab 60 eine Abklärung in der Hausarztpraxis – bei den genannten Risikofaktoren früher. Die Krankenkasse zahlt die Knochendichtemessung nicht zwingend: «Eine Knochendichtemessung ist mit rund 70 Franken als Selbstzahler nicht allzu teuer.»