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22. Juni 2020

Dank «SomPsyNet» - mehr Lebensqualität für Patientinnen und Patienten

Fast jede 3. Person, die wegen körperlichen Beschwerden ins Spital kommt, ist psychosozial belastet. Dank dem Programm werden Patienten schneller gesund.

Fast jede 3. Person, die wegen körperlichen Beschwerden ins Spital kommt, ist psychosozial belastet. Das neugestartete Basler Projekt «SomPsyNet» ermittelt mit einem tablet-gestützten Screening die psychosozialen Belastungen, um den Patienten¨möglichst frühzeitig zu helfen. Wir haben mit Dr. med. Marco Bachmann, Chefarzt Klinik für Psychiatrie und Psychosomatik bei uns im Bethesda Spital gesprochen um mehr über das spannende Projekt zu erfahren. 

Dr. Bachmann, die alte römische Weisheit «Nur in einem gesunden Körper wohnt auch ein gesunder Geist» scheint in unserer modernen Zeit mit all den Zivilisationskrankheiten, hervorgerufen durch falsche Ernährungsgewohnheiten, Lebens- und Arbeitsumstände sowie Umweltbelastung, wieder vermehrt an Bedeutung zu gewinnen. Inwieweit kann sich eine körperliche Erkrankung tatsächlich auf die Psyche auswirken?

Diese Frage lässt sich nicht nur in eine Richtung beantworten. Alles, was wir wahrnehmen, steht in Wechselwirkung mit unserem Körper und unserer Psyche und wird von uns je nach dem was wir in unserem Leben schon erlebt haben interpretiert. Eine Erkrankung hat also auch etwas mit unserer Lebensgeschichte zu tun. Hat jemand beispielsweise schwerwiegende Herzprobleme und bereits einige Eingriffe hinter sich, dann lösen leichte Schmerzen in der Herzgegend Angstgefühle aus. Dies wiederum kann einen Druck auf der Brust und Herzrasen verursachen. Die Schmerzen verstärken sich also noch, wodurch noch mehr Angst entsteht. Hingegen wird sich jemand ohne Vorerkrankung und traumatische Erfahrungen von gleichartigen Schmerzen eher nicht aus der Ruhe bringen lassen. Körper und Seele hängen eng zusammen. Deshalb ist es wichtig, dass eine Behandlung im Spital nicht nur die körperlichen Beschwerden im Blick hat, sondern auch die seelischen Belastungen.

«Körper und Seele hängen eng zusammen. Deshalb ist es wichtig, dass eine Behandlung im Spital nicht nur die körperlichen Beschwerden im Blick hat, sondern auch die seelischen Belastungen.»


Dr. med. Marco Bachmann, Chefarzt Klinik für Psychiatrie & Psychosomatik, Bethesda Spital

Wie sieht denn die Suche nach belastenden Ereignissen im Bethesda Spital konkret aus?

Auf den SomPsyNet-Pilotstationen im Bethesda Spital wird neu jeder Patient und jede Patientin, die ins Spital eintritt, zu ihrer psychosozialen Gesundheit befragt und gegebenenfalls gebeten, am Tablet einen vertiefenden Fragebogen auszufüllen. Durch gezielte Fragen, sollen unverarbeitete Ereignisse oder andere belastende Situationen erkannt werden, um dann weitere Schritte einzuleiten. Alles mit dem Ziel, dem Patienten konkrete Lösungen anzubieten. Dies kann beispielsweise der Miteinbezug eines Psychiaters oder des Sozialdienstes sein. Wir erleben in unseren Gesprächen häufig, dass diese Unterstützung die Kranken enorm entlastet und sie so erkennbare Lebensqualität zurückgewinnen. Weitere Vorteile sind, dass der Patient oder die Patientin schneller gesund wird und weniger häufig wieder rehospitalisiert werden muss. Dadurch werden natürlich auch die Kosten im Gesundheitswesen erheblich gesenkt, was auch ein wichtiger Aspekt in diesem Projekt darstellt.

Wer ist bei «SomPsyNet» involviert und wie sieht die Zusammenarbeit aus?

Da sind in erster Linie das Gesundheitsdepartement Basel-Stadt und das Universitätsspital Basel zu nennen. An der Umsetzung von «SomPsyNet» sind ebenfalls das Bethesda Spital, St. Claraspital, die Universitäre Altersmedizin Felix Platter sowie viele ambulante Player der Basler Gesundheitsversorgung beteiligt. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Betreffend Zusammenarbeit gibt es regelmässige Veranstaltungen, an denen sich alle Mitarbeitenden des Projektes unter Einbezug aller Kooperationspartner über den Entwicklungsstand austauschen, um das Netzwerk gemeinsam weiter auszubauen.

Wird es Auswertungen geben, ob das Pilotprojekt erfolgreich verlaufen ist?

Ja, das Ziel ist, dass die Zusammenarbeit der verschiedenen Versorgungsbereiche im Gesundheitswesen gefestigt und weiter ausgebaut wird. Wir überprüfen zusammen mit dem Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut und der Universität Basel, Institute of Pharmaceutical Medicine (ECPM) was SomPsyNet bringt. Zur Beurteilung der Wirkung auf Gesundheit und Lebensqualität werden sowohl klinische Daten (stationäre Behandlungen und Folgespitalaufenthalte) als auch Versicherungsdaten (Inanspruchnahme weiterer Gesundheitsleistungen) analysiert werden. Zur Beurteilung des Programms auf Patientenebene ist zusätzlich eine Patientenbefragung ca. 6 Monate nach Spitalaustritt geplant. 

Herzlichen Dank Herr Dr. Bachmann für den interessanten Einblick.

"SomPsyNet" - einfach erklärt

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