Eine Blasenschwäche kann die Lebensqualität enorm mindern, weil die persönliche Freiheit stark eingeschränkt wird und betroffene Frauen aus Angst und Scham, jemand würde etwas bemerken, auf Sport, Reisen oder Theaterbesuche gänzlich verzichten und soziale Kontakte auf ein Minimum reduzieren. Wir wollten mehr über die Diagnose "Harninkontinenz" erfahren und haben mit Dr. med. Jörg Humburg, Chefarzt des Blasen- und Beckenbodenzentrums gesprochen.

 

Dr. Humburg, Harninkontinenz ist zwar keine lebensbedrohliche Krankheit, aber für Frauen, die darunter leiden, extrem unangenehm. Finden Betroffene den Weg zu Ihnen in die Sprechstunde meist erst nach einem langen Leidensweg?

Zu meinen Anfangszeiten war das vielleicht so, doch die heutige Generation redet im Bekanntenkreis darüber, ist sportlich aktiver und unternimmt zahlreiche Reisen. In diesem Lebensstil hat eine Blasenschwäche keinen Platz mehr.

Welchen Einfluss hat eine Blasenschwäche auf die Psyche der Frauen?Die Lebensqualität einer betroffenen Frau wird massiv beeinträchtigt, das hinterlässt Spuren im Befinden. Auch kann bei nächtlichem Harndrang nicht mehr durchgeschlafen werden, was zu Erschöpfungszuständen führen kann.

 

 

 

 

Gibt es spezielle Altersgruppen, die unter dem Kontrollverlust über Blase und Urinfluss leiden?Rund 30% der Frauen jeglicher Altersgruppen leiden an einer Form der Inkontinenz. Oftmals ist der Auslöser eine Geburt oder die Menopause und die damit verbundene Veränderung des Hormonhaushaltes.

Die Lebensqualität einer betroffenen Frau wird massiv beeinträchtigt, das hinterlässt Spuren im Befinden.

Dr. med. Jörg Humburg, Chefarzt Beckenbodenzentrum, Bethesda Spital

Sind die Untersuchungen sehr unangenehm oder gibt es da innovative Möglichkeiten zur Abklärung der Beschwerden?

Wichtig ist im Vorfeld immer ein umfassendes erstes Gespräch mit dem Spezialisten, um die Dimension des Problems zu erörtern. Danach erfolgen eine gynäkologische Untersuchung, allenfalls eine ambulante, nicht schmerzhafte Blasenspiegelung, Funktionsanalysen (Urodynamik) und falls notwendig eine Bildgebung.

 

 

 

 

Die Beckenbodenmuskulatur und der Halteapparat scheinen eine wichtige Rolle zur Sicherung der Kontinenz zu spielen – kann mit gezieltem Training einer Harninkontinenz vorgebeugt werden?

Der muskuläre Anteil kann hervorragend trainiert werden. Jedoch braucht es eine gehörige Portion Disziplin. Physiotherapie hilft am wirkungsvollsten in Kombination mit einer Schulung für das Alltagsverhalten.

Welche Therapieformen und Behandlungsmöglichkeiten von Blasenleiden gibt es heutzutage?

Es gibt nicht «die Behandlungsmethode», sondern sehr viele individualisierte Behandlungsansätze, welche die jeweilige Lebenssituation sowie den körperlichen Befund bestmöglich berücksichtigen. Manchmal ist auch ein operativer Eingriff nötig.

 

 

 

 

Mit welchen Beschwerden, beziehungsweise Frauenleiden, kann man sich an das Beckenbodenzentrum im Bethesda Spital wenden?

Wir behandeln Entzündungen, Senkungen und auch mit einer Belastungsinkontinez oder hyperaktiven Blase ist man bei uns im Beckenbodenzentrum gut aufgehoben.

 

 

 

Vielen Dank Herr Humburg für die wertvollen Antworten.

Das ist sehr gerne geschehen. Sollte sich eine Leserin betroffen und angesprochen fühlen, darf sie sich gerne unverbindlich mit uns in Kontakt setzen - wir sind gerne für Sie da. Weiter unten hat Ihnen unsere Physiotherapeutin, Dagmar Beste Bruderer wertvolle Übungen zusammengestellt, um den Beckenboden zu stärken.

Sind Sie auch betroffen?

Vermuten Sie eine Inkontinenz, leiden Sie unter Blasenentzündungen oder haben Sie vielleicht eine Reizblase? Dann machen Sie unseren Selbsttest oder melden Sie sich unverbindlich telefonisch.

Für die Gespräche und die Untersuchungen nehmen wir uns viel Zeit, denn wir wissen, dass diese intime Themen bei vielen Frauen Ängste und Scham auslöst. Dank unserem Einfühlungsvermögen und unserer jahrelangen Erfahrung, können wir unsere Patientinnen beruhigen und Ängste nehmen.

Kontakt

  • Tel.: +41 61 315 25 28
  • Mail:  Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 
  • Web: www.bethesda-spital.ch/beckenbodenzentrum

 

Zuweisung

 

Weitere Informationen

Übungen zur Stärkung des Beckenbodens

1. Öffnungen schliessen

Setzen Sie sich auf einen harten Hocker oder Stuhl und versuchen Sie die Sitzbeinhöcker (Knochenpunkte, auf denen Sie sitzen), durch das Bewegen des Beckens wahrzunehmen. Zwischen den Sitzbeinhöckern liegt Ihr Beckenboden.

Durch Ihren Beckenboden verlaufen Harnröhre, Scheide und After. Stellen Sie sich vor, Sie sitzen auf Reiskörnern. Ziehen Sie diese in sich nach innen/oben. Nun verschliessen Sie zusätzlich alle Öffnungen. Dabei sollten Sie unbedingt regelmässig weiter atmen. Die Spannung drei bis fünf Sekunden halten, danach für sechs bis zehn Sekunden vollständig lösen. Es ist für die Durchblutung des Beckenbodens sehr wichtig, das Entspannen wahrzunehmen.

Interdisziplinäres Beckenbodenzentrum
Dr. med. Jörg Humburg, Chefarzt Beckenbodenzentrum im Bethesda Spital besitzt den Schwerpunkt für spezielle Urogynäkologie und ist somit einer von wenigen Trägern dieses Titels schweizweit. Dieser Schwerpunkt bescheinigt ihm vertiefte Kenntnisse und Fähigkeiten in der Diagnostik und Therapie der Harninkontinenz, von Erkrankungen des Beckenbodens und von Funktionsstörungen des unteren Harntraktes bei der Frau. Im Bethesda Spital arbeiten Spezialisten der verschiedensten Disziplinen Hand in Hand, um eine persönliche und individuelle Betreuung zu gewährleisten.

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