Das Gesundheitsdepartement BS hat zur gemeinsamen Bewältigung der Coronakrise ein Versorgungskonzept im Sinne einer Verbundlösung zwischen öffentlichen und privaten Spitälern erstellt. Im Zentrum des Konzepts steht das Universitätsspital Basel mit der grössten Isolierstation und den meisten Intensivpflegebetten. Das Bethesda Spital unterstützt aktuell, indem es personelle und materielle Ressourcen zur Verfügung stellt und zusätzliche Isolierstationen bereitstellt.

Wir haben mit Barbara Simon-Halbe, Bereichsleiterin Pflege und Mitglied der Spitalleitung gesprochen und sie gefragt, was aktuell zur Krisenbewältigung im Bethesda Spital unternommen wird.

Ursprünglich sollte das Bethesda Spital Intensivpflegeplätze (IPS) und Isolierstationen aufbauen. Hat sich an diesem Auftrag etwas geändert?

In Absprache mit dem Kanton sind wir gemeinsam zum Schluss gekommen, dass es besser ist, unsere Geräte, Intensiv- und Anästhesiepflegepersonal sowie Anästhesisten zur Verfügung zu stellen, statt parallel eine eigene Intensivstation aufzubauen. In der Zwischenzeit sind sämtliche Intensivpflegefachleute, Anästhesiepflegefachleute und Anästhesisten extern im Einsatz, welche bei uns für Geburten und dringende Operationen nicht benötigt werden.

Die Vorbereitungen zum Aufbau einer Isolierstation (Betten für nicht intensivpflichtige Covid-19- Patientinnen und Patientin) sind bereits abgeschlossen. In einer ersten Phase haben wir Kapazitäten von 25 Betten geschaffen. Ein stufenweiser Ausbau ist bei Bedarf möglich.

Die Kapazitäten des Unispitals und des Claraspitals mögen die Hospitalisierung aktuell noch versorgen.

Barbara Simon-Halbe, Bereichsleiterin Pflege

Was hat es für Sie und ihr Team konkret bedeutet, eine Isolierstation aufzubauen?

In enger Kooperation mit der Spitalhygiene des Unispitals wurde in einem ersten Schritt der Standort definiert. Hier waren logistischen und spitalhygienische Aspekte sicherlich die wichtigsten Kriterien. Anschliessend wurde ein Konzept erarbeitet, welche neben den medizinischen und pflegerischen Schwerpunkten sämtliche Handlungsanweisungen zum korrekten hygienischen Verhalten, Logistik, Ver- und Entsorgung, Verpflegung usw. enthält. Das alles geschah alles innerhalb von 8 Tagen. Mit dem Einbau der Schleuse ist die Station nun seit letzter Woche bezugsbereit.


Haben Sie denn schon Patienten auf der Station?

Nein, bisher noch nicht. Die Kapazitäten des USB und Claraspital mögen die Hospitalisierung aktuell noch zu versorgen.


Wie geht’s ihrem Personal und wie ist aktuell die Stimmung?

Dem Personal geht’s den Umständen entsprechend gut und es ist insgesamt positiv gestimmt. Durch die Einstellung des elektiven Programms (es dürfen nur dringende Eingriffe vorgenommen werden), fällt viel Arbeit weg wodurch unsere Mitarbeitenden auf anderen Abteilungen helfen, oder an andere Gesundheitsinstitutionen «verliehen» wurden. Hier erleben wir eine hohe Flexibilität und Bereitschaft.

Es ist für uns selbstverständlich, dass wir unsere personellen und materiellen Ressourcen in dieser Krisensituation zur Verfügung stellen.

Barbara Simon-Halbe, Bereichsleiterin Pflege

Haben Sie denn Personal extern im Einsatz, und falls ja, wo?

Ja. Es ist für uns selbstverständlich, dass wir unsere personellen und materiellen Ressourcen, welche bei uns für Geburten und dringende Operationen nicht benötigt werden, in dieser Krisensituation zur Verfügung stellen. Unser Personal kommt aktuell da zum Einsatz, wo sie gebraucht werden. In erster Linie aber im Unispital, der Adullam Stiftung und bei unseren Bethesda-Schwester-Institutionen. Dabei halten wir engen Kontakt zu den verliehenen Kolleginnen und Kollegen.

Global kämpfen Pflegefachpersonen täglich für die Gesundheit der Menschen - und das sind ja nicht nur COVID-19 Patientinnen und Patienten.

Barbara Simon-Halbe, Bereichsleiterin Pflege

2020 wurde vom WHO als «Year of the Nurse and Midwife» ernannt. Die Wertschätzung für die Berufsgruppe der Pflegefachleute und Hebammen könnte wohl in der aktuellen Krise nicht passender sein oder?

So ist es. Die Pandemie verdeutlicht wie unschätzbar wertvoll die Leistungen aller Pflegefachpersonen und Hebammen sind. Global kämpfen Pflegefachpersonen täglich für die Gesundheit aller Patientinnen und Patienten- und das sind ja nicht nur COVID-19 Erkrankungen. Sie sind unermüdlich im Einsatz, teils ohne das notwendige Schutzmaterial und mit der Gefahr sich selbst zu infizieren. Sie sind mitbeteiligt an schwierigen ethischen Entscheidungen und betreuen Patienten und Patinnen mit ganzer Kraft in der «sozialen Isolation». Sie arbeiten in hoch technisierten Intensivstationen, IMC, Normalstationen und Alters-und Pflegeheimen. Sie leisten schlicht Unglaubliches.

Aber auch Hebammen stellen sich der besonderen Herausforderung SARS CoV 2 positive Frauen bei der Geburt zu begleiten. In manchen Spitälern ist den Partnern der Zugang in den Gebärsaal nicht mehr erlaubt, was dazu führt, dass die Rolle der Hebamme für die Gebärende nochmals viel wichtiger wird.

Das Gesundheitsfachpersonal erlangt in dieser Pandemie eine ausserordentlich mediale Aufmerksamkeit. Politiker sprechen den Berufen endlich eine «Systemrelevanz» zu, in einigen Ländern wird zu bestimmten Uhrzeiten dem medizinischen und pflegerischen Personal applaudiert und damit Wertschätzung gezollt. Es tut gut zu sehen, dass Pflegende und Hebammen diese Wertschätzung in der Gesellschaft für ihre Arbeit erfahren.

Wir im Bethesda Spital hatten einige Aktivitäten im Laufe des «Year of the Nurse and Midwife» geplant. Doch die stellen wir vorerst mal zurück – wir hoffen in der 2. Jahreshälfte hier noch etwas nachholen zu können, dann vielleicht mit etwas mehr Gehör bei der Öffentlichkeit.

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Haben Sie uns mehr Informationen zum «Year of the Nurse and Midwife?

Ja sehr gerne:

- Unser Bethesda Blog zum «Year of the Nurse and Midwife»
- Website SBK
- WHO - Word Health Organization
- Instagram Tags #yearofthenurseandmidwife

 

 

 



Danke für das Interview und Ihre wertvolle Zeit Frau Simon-Halbe!

Das ist sehr gern geschehen. Bleiben Sie alle gesund und vorerst bitte zuhause :-)

 

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